Dr. Bernhard Huber-Stiftung
Liebe Afrikafreunde, beim Überflug auf dem Weg zurück von Eswatini nach Johannesburg schaue ich aus dem Flugzeugfenster auf die kleinen Rundhütten unseres Kinderdorfes hinab. Vielleicht winken unsere Kinder gerade nach oben – so wie sie es immer tun. Noch vor wenigen Stunden habe ich mich von ihnen verabschiedet. Allen Kindern geht es gut. Die vierjährige Asanda ist erst seit wenigen Wochen bei uns. Schnell hat sie sich eingelebt, lacht viel und wird von allen geliebt. Sie hatte in unzumutbaren Verhältnissen gelebt, bevor sie uns vom Sozialministerium vermittelt wurde. Die Gemeinschaft der anderen Kinder und die Fürsorge unserer drei Mütter tun ihr sichtbar gut. Während meines Aufenthalts kontaktierte uns erneut ein Sozialarbeiter. Zwei kleine Jungen aus schwierigen familiären Verhältnissen sollten ebenfalls in unser Dorf gebracht werden. Da die beiden jedoch noch Eltern haben, können wir sie in unserem Waisenkinderdorf leider nicht aufnehmen. Armut und fehlende Zukunftsperspektiven sind allgegenwärtig. Wie auch bei uns in Deutschland können Verzweiflung, Resignation, Depressionen, Drogensucht oder das Abrutschen ins kriminelle Milieu die Folge sein. Eigentlich sollen Einrichtungen wie SOS-Kinderdörfer Abhilfe schaffen. Umso erschütternder die Tatsache, dass kürzlich aus Geldnot zwei solche Kinderdörfer schließen mussten – eine Folge weltweiter Kürzungen in der Entwicklungshilfe durch Herrn Trump. Während Milliarden für Aufrüstung und Waffen ausgegeben werden, fehlen an anderer Stelle die Mittel für Bildung und medizinische Versorgung. Mit dem Geld könnten so viele Menschenleben verbessert und neue Perspektiven geschaffen werden. Doch es gibt auch Hoffnung und ermutigende Entwicklungen. So wie bei Mhlonishwa, einem jungen Mann aus unserer Nachbarschaft, dessen Ausbildung zum Zimmermann wir seit einem Jahr unterstützen. Voller Stolz zeigte er mir eine Kommode, die er eigenhändig für seine Großmutter gebaut hat. Auch von Bandile möchte ich berichten. Der Zehnjährige kann seit 2024 nicht mehr schlucken, nachdem er versehentlich Säure statt Wasser getrunken hatte. Nun konnte endlich eine endoskopische Untersuchung durchgeführt werden. Das Endoskop ließ sich nur 13 Zentimeter weit einführen – bis zur stark vernarbten Engstelle in der Speiseröhre, die ihm Essen und Trinken unmöglich macht. Seine Mutter ernährt ihn derzeit über eine Magensonde. Das weitere Vorgehen ist noch nicht klar. Möglich wäre ein Stent oder aber eine aufwändige Operation. Ich werde weiter berichten. Was haben wir dieses Mal erreicht? Bildung Die Studiengebühren für das gesamte Jahr wurden bereits im Februar bezahlt. Nun standen Schuluniformen, Kleidung und Lernmaterialien an. Für Nosipho, die in unserem Kinderdorf aufgewachsen ist und inzwischen Fashion & Design in Mbabane studiert, konnten wir wichtige Haushaltsgegenstände anschaffen. Landwirtschaft Für unser Kinderdorf kauften wir Setzlinge, Gießkannen und weiteres Material für den Anbau. Einer Familie halfen wir dabei, ihren geernteten Mais zur Mühle zu transportieren, damit daraus Mehl hergestellt werden konnte. Infrastruktur Im Kinderdorf wurde einer der beiden 5.000-Liter-Wassertanks ersetzt. Außerdem benötigte die Solaranlage neue Batterien sowie einen Wechselrichter. Das neue Zweizimmerhaus für Nokuphilas Familie wurde gestrichen und ist nun nahezu bezugsfertig. Einer weiteren bedürftigen Familie finanzierten wir die Gasfüllung. Gesundheit Für Bandile übernahmen wir die kostenintensive Endoskopie in einer Privatklinik, da staatliche Krankenhäuser diese Untersuchung nicht durchführen können. Darüber hinaus behandelte ich wie immer zahlreiche Patienten und versorgte sie mit Medikamenten – teilweise aus Deutschland mitgebracht. Einer älteren Frau ermöglichten wir zudem den Besuch beim Optiker inklusive neuer Brille. Frauenprojekte Mehrere Frauen mit ihren Kindern erhielten Kleidung, Lebensmittel und Hygieneartikel – darunter auch eine Familie mit neun Kindern in Siteki. Für eine weitere Frau konnten wir die Mietkosten übernehmen. Unterstützung bedürftiger Familien Ein großer Teil unserer Ausgaben floss erneut in Grundnahrungsmittel wie Reis, Maismehl, Bohnen, Mabele Meal und Sonnenblumenöl. Diese Lebensmittel verteilten wir direkt an bedürftige Familien in den ländlichen Regionen Eswatinis. Die Wege sind weit, und die Familien leben oft verstreut – doch gerade dort ist die Not besonders groß. Von Herzen danke ich euch allen für eure Unterstützung und eure Verbundenheit mit den Menschen in Eswatini. Hoffnung allein genügt nicht – wir müssen weiter handeln. Herzliche Grüße
Zukunft für die Welt
Bericht Mai 2026