Dr. Bernhard Huber-Stiftung
Liebe Afrikafreunde, gerade bin ich wieder aus Eswatini zurückgekehrt. Dieses Mal wurde ich von meiner Mutter Elisabeth, meinem Bruder Stefan und dessen Tochter Frieda begleitet und tatkräftig unterstützt. Besonders der zehnjährige Bandile, der vor zwei Jahren versehentlich eine ätzende Flüssigkeit getrunken hatte, beschäftigt mich. Seither kann er nicht mehr schlucken, und da er immer wieder an Gewicht verlor, wurde ihm letztes Jahr eine Magensonde durch die Bauchdecke gelegt. Durch sie ernährt ihn seine Mutter mit Maisbrei und einem vitaminhaltigen, flüssigen Obst-/Gemüsebrei. Die Mutter macht das sehr gut – Bandile zeigt keine Mangelerscheinungen an Haut oder Haaren. Doch die Magensonde ist für einen zehnjährigen Jungen keine Dauerlösung. Eine Möglichkeit wäre eine Endoskopie, also eine Spiegelung mittels flexiblem Schlauch mit Kamera. In Deutschland wäre das kein Problem. Nicht so in Eswatini. Im ersten Krankenhaus gab es gar kein entsprechendes Gerät. Im zweiten war es defekt, und das dritte führt Endoskopien nur bei Erwachsenen durch, weil es keine kleineren Schläuche für Kinder hatte. Kurz vor meinem Rückflug hatte ich aber Kontakt mit einem Kollegen, der die Untersuchung und – ganz wichtig – auch eine mögliche Dilatation durchführen könnte. Das ist eine Erweiterung der Speiseröhre im Fall, dass es sich nur um eine kleine Engstelle handelt. Bei meinem nächsten Besuch machen wir die Endoskopie und ich hoffe, dass eine endoskopische Erweiterung der Speiseröhre technisch machbar ist. Sollte sich jedoch zeigen, dass die vernarbte Speiseröhre so eng ist, dass man mit dem Endoskop nicht durchkommt, wäre nur eine Operation mit Speiseröhrenersatz möglich. Dies wäre jedoch ein komplexer und riskanter Eingriff, der nur in Südafrika durchführbar wäre. Eswatini hat hier nicht die nötige Ausstattung. Aus der Zeitung erfuhr ich von einem 74-jährigen Mann, der in einem Zeltverschlag haust und „den die Welt vergessen hat.“ Über den Journalisten konnten wir den genauen Ort ausfindig machen und fuhren hin. Was wir dort sahen, war unvorstellbar. Katastrophale Verhältnisse – selbst für ein so armes Land wie Eswatini. Der Mann lebt in einem wackligen Verschlag aus Plastikplanen und Holz – ohne Toilette, Kochstelle, Bett oder Stuhl. Sein ganzer Stolz ist ein alter Schubkarren, den er jeden Morgen in das zwei Kilometer entfernte Industriegebiet schiebt. Dort sammelt er Dosen und Flaschen ein, um sie zu verkaufen. Trotz der widrigen Lebensumstände versucht der Mann, seinem Leben eine gewisse Struktur zu geben, indem er täglich von 8 bis 16 Uhr unterwegs ist. Wir besorgtem ihm zumindest Lebensmittel, eine Matratze, ein Kopfkissen und Decken sowie Kleider. Mein Angebot, ihn dort herauszuholen und zu dem alten Mann nach Siteki zu bringen, dem wir kürzlich ein Haus gebaut haben, lehnte er ab. Was haben wir dieses Mal erreicht? Bildung Unsere Hauptaufgabe war – wie immer im Februar, wenn das neue Schuljahr beginnt – die Bezahlung der Schul- und Studiengebühren, aktuell für insgesamt 69 Schüler/-innen und Studierende. Hinzu kamen die Gebühren für vier Auszubildende. Diese verdienen in Eswatini – anders als in Deutschland – kein Geld und müssen ihre Ausbildung selbst bezahlen. Sikhumbuzo wird Sanitärinstallateur, Ernest Elektriker, Mhlonsihwa Zimmermann und Nkhosephayo Kälte- und Klimatechniker. Bayandza aus unserem Dorf besorgten wir einen Arbeitsoverall und Sicherheitsschuhe für die Behindertenschule, wo er Basisfertigkeiten erlernt. Für etliche weitere Kinder kauften wir Schuluniformen, Bücher und Taschen sowie einer Studentin einen Laptop. Landwirtschaft In unserem Dorf pflanzten wir einen „Umbrella Tree“, der sich durch eine flache, runde Krone auszeichnet, die viel Schatten spendet. Infrastruktur Für zwei arme Familien beglichen wir die Stromrechnung. Einer Gogo besorgten wir Wasserrohre, damit ihre landwirtschaftliche Fläche ans Wassernetz angeschlossen werden kann. Sie baut Mais und Baumwolle an und will dann beides verkaufen. Der begonnene Hausbau bei Nokuphila wurde mit Maurer- und Elektroarbeiten fortgesetzt. Einer weiteren Gogo ließen wir ihren 5.000l – Wassertank füllen und im Kinderdorf diverse Sanitärarbeiten durchführen. Gesundheit Etliche Patienten habe ich wieder umsonst behandelt. Dabei ist verwunderlich, wie viel die Menschen hier aushalten und „wegstecken“. So traf ich ein Mädchen mit geschwollener Hand. Sie meinte nur, ein Skorpion habe sie gestochen… Frauenprojekte Zwölf Gogos, die mit ihren verwaisten Enkelkindern leben, versorgten wir mit Lebensmitteln. Wir kauften und verteilten auch zahlreiche Hygieneartikel. Einer Frau bezahlten wir die Miete. Bedürftige Für viele arme Familien besorgten wir Lebensmittel, Kleidung, Medikamente und Hygieneartikel. Vielen Dank euch allen für eure Unterstützung, den Menschen in Eswatini zu helfen. Manchmal hört man Kommentare wie „Hilfe für Afrika – das ist doch nur ein Tropfen auf einen heißen Stein.“ Ich denke Menschen, die dies sagen, wollen sich nur selbst beruhigen. Mein Kung-Fu Meister sagte uns einmal: „Trainiert jeden Tag. Das ist wie ein Tropfen jeden Tag. Doch eines Tages werden die Tropfen ein ganzes Fass gefüllt haben.“ Und damit hat er Recht. Herzliche Grüße
Zukunft für die Welt
Bericht Februar 2026